Mount Yasur

Völlig erschöpft nach 3 Stunden steil auf und ab - über riesige umgefallenen Bäume und wunderschöne Landschaften durch den schwülen Dschungel - kamen wir auf unserem Zeltplatz an.

Ich wollte mich gerade hinsetzten als es unter meinen Füssen zu rumpeln und vibrieren anfing. Gehört haben wir „Mount Yasur“ schon seit ca. einer halben Stunde mit tiefen Grollen, aber spüren! Am Anfang war mir gar nicht klar das, dass was ich hier spüre eine der vielen Vulkaneruptionen war.

In der Dämmerung bauten wir und unsere Freunde unsere Zelte auf. Unser Führer Donavan - aus einem winzigen Dorf in den Bergen der Insel „Tanna“ in Vanuatu - begann Feuerholz für den Abend zu sammeln.

Das klingt alles wunderbar, aber jetzt müssen wir noch in der Dunkelheit den Vulkan besteigen!

Wir kraxelten auf der Rückseite des Vulkans, ca. 300m über ein Aschefeld mit dicken Gesteinsbrocken hinauf. Ein Schritt nach vorn und 2 rutschend im Dunkeln hinunter.

Am Krater angelangt wehte ein strenger, kalter Wind und wir blickten in den roten Höllenschlund. Alle 20 Minuten ging eine Eruption los und wir konnten die Lava im Kessel spritzen sehen. Wir waren alle schwer beeindruckt und immer wieder wenn der Wind kurz nach lies, kam uns ein entsetzlicher Schwefelrauch entgegen - wir flüchteten weg vom Abgrund. Der Höllenschlund lies uns nicht los und wir gingen an den Kraterrand. Plötzlich waren viele Kinderstimmen zu hören! Alles Kinder aus Donavans Dorf die wir natürlich schön kannten, da wir ihnen eine Fussball geschenkt haben. Seitdem weichen sie uns nicht von der Seite.

Es gibt natürlich auch einen einfacheren Weg den „Mount Yasur“ zu besteigen - mit dem Auto eine Rumpelstrasse entlang und dann auf einem mehr oder weniger ausgetrampelten Pfad bist du dann in 15 Minuten am Krater - aber wir wollten ein Abenteur erleben.

Die Kinder des Dorfes kamen mit dem Auto, und die jüngsten von ihnen sahen den Vulkan - der auf ihrem Land steht (das heisst der Vulkan steht auf dem Land dieses Bergdorfes), zum ersten Mal.

Völlig geflasht von den Eindrücken gingen wir den wilden Weg wieder das Aschefeld bergab und die Kinder folgten uns. In unserem Zeltlager machte Donavan ein Feuer und begann „Kava“ herzurichten. Kava eine unsansehnliche Wurzel ist wohl das wichtigste was Männer in diesem Eck der Welt trinken können. Die Wurzel wird geschabt und mit kaltem Wasser vermischt und ausgepresst.

Donavan erzählt uns, dass jedes Dorf um einen der riesigen „Panghan“ Bäume einen Treffpunkt der Männer hat - dort wird jeden Abend Kava getrunken. Frauen sind nicht erlaubt, da trotz der beruhigenden Wirkung von Kava immer wieder Streitereien und Kämpfe entstehen, die für Frauen einfach zu gefährlich werden können. Diese lustige Ausrede zeigt wieder einmal - es gibt überall auf der Welt einen Wirtshausstammtisch ;-).

Wir packten unsere Sandwiches aus und teilten mit den Kindern und Donavan, denn wie immer haben wir viel zu viel mitgenommen. Dann rollten wir unsere Schlafsäcke aus. Luftmatratzen hatten wir leider keine, darum war diese Nacht um ehrlich zu sein eine Pein - aber trotzdem fielen wir völlig erschöpft um.

Früh am nächsten Morgen besteigen wir den Vulkan eine zweites Mal und erst jetzt konnten wir die Dimensionen des Vulkans erkennen. Einfach gigantisch. Wir gingen dann den Weg durch den Dschungel zurück, tranken frisch gebrockte Kokosnuss und waren völlig überwältigt von der Schönheit dieses Landes. „Vanuatu“ ist anscheinend eines der letzten gesunden Paradiese dieser Welt.

Ursula Jäger2 Comments